Interkulturelle Kompetenz für Lehrkräfte


Die alte an rein hierarchischen Werten orientierte Pädagogik ist ein Stück weit überholt. Systemische und beratende Pädagogik ist gefragt, weil sie der Verschiedenheit der Menschen und Strukturen des Schulsystems gerecht zu werden versucht und prozessorientierter ist. Die schulische Wirklichkeit wird täglich neu „konstruiert“ durch Lerninhalte, Werte, Rituale, Körpersprache und alltägliches Leben.

Der Handlungsdruck der Lehrer in den Klassenzimmern wird größer, weil die Kinder der heutigen Schulen aus allen Teilen der Welt kommen. Lehrer (und auch Schüler) brauchen vermehrt Formulierungshilfen für ihren beruflichen Alltag. Zu komplex werden die Anforderungen durch den neuen nach Europa strömenden kulturellen Input.

Die Mehrheit der Migranten lebte zuvor in Großstädten, die sich wegen der Globalisierung immer mehr angeglichen haben – trotz der jeweiligen unterschiedlichen kulturellen Situation. Die Kinder bringen jedoch die Gegensätze und Widersprüche aus ihrer Heimat in die hiesigen Klassenzimmer mit. Die Lebensumstände der Emigranten verlangen in den heutigen Schulen ein „Gegengewicht“, damit die verschiedenen „Herkünfte“, die kulturellen Hintergründe und die Kommunikationsregeln der verschiedenen Ethnien ausbalanciert werden können.

Neben den didaktischen Kompetenzen braucht ein modernes Klassenmanagement ein solides, interkulturelles Know-how, ein Wissen über spezifische Kommunikationsregeln und Kultur-besonderheiten der verschiedenen Ethnien.

Lehrer, die sich über die ethnischen Besonderheiten ihrer heutigen Schulkinder bewusst sind, entwickeln Sensibilität für die kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Kindes. Sie können dann damit spielerisch in ihrem Unterricht umgehen und auch in Elterngesprächen geschickt agieren.

Missverständnisse entstehen oft durch Kleinigkeiten. Die strenge Aufforderung des Lehrers an einen neu immigrierten Schüler aus einem schwarzafrikanischen Land, ihm bei einem Tadel in die Augen zu schauen, kann kontraproduktiv sein, da sich das Kind dadurch eventuell bedroht fühlen könnte. Der Schüler, der dem Blickkontakt des Lehrers ausweicht oder der die Augen niederschlägt, sollte von dem Lehrer auch als ein Respekt bezeugender Schüler wahrgenommen werden können. Vielleicht ergibt sich später im Unterricht einmal die Gelegenheit, den Schülern die kulturspezifischen Unterschiede des „Blickverhaltens“ in einigen Ländern Afrikas, Asiens und Europas zu erklären und sie für die unterschiedlichen Gesten und Verhaltensweisen zu sensibilisieren.





Nähere Informationen zu dem neuen Fachgebiet der Pädagogik „Interkulturelle Kompetenz für Lehrkräfte“ entnehmen Sie bitte dem Buch von Barbara Weschke-Scheer (2013):

Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern, Cornelsen Scriptor Verlag (Lehrerbücherei Grundschule), Berlin, ISBN 978-3-589-16202-4


Vorträge zum Thema auf Anfrage